Geschichte
Bekannt ist unsere Gemeinde vor allem als Kur- und Badeort am Fuße des Inselsberges und erlebte seine Blütezeit gegen Ende der „Goldenen Zwanziger“. 1927 entstand eines der schönsten und beliebtesten Freibäder der Region. Dieses wurde 1997 durch ein Kur- und Familienbad ersetzt.
Die lange Bädertradition reicht bis ins Jahr 1868 zurück. Damals wurde der erste namentlich bekannte Kurgast in Tabarz, Wilhelm Spindler aus Berlin, vermerkt. Sein Sohn, Förderer und Mäzen der Gemeinde Tabarz, Carl Spindler als Mitbegründer des Fremdenkomitees, erkannte die Vorzüge des tonisierenden, milden Reizklimas, die Anreicherung der Luft durch natürliche Radiumemanation und die beeindruckende Lage des idyllischen Lauchagrundes mit dem Großen Inselsberg als krönendem Gipfel.
Die Jahre 1863, 1872 und 1904 gelten als die Gründungsjahre der drei Badeanstalten durch Dr. Oscar Kuntz, Dr. Armin Lüntzel und Christian Zöller. 1875 verzeichnet die erste bekannte Kurliste bereits 696 Gäste. In der Folge gelten die jährlich bedeutsamen Steigerungen als Beweis für die Beliebtheit und das Ansehen des aufstrebenden Kurortes Tabarz. Mit der Gründung des Thüringer Bäderverbandes in Erfurt 1884 erhält die Gemeinde, die zu den ersten Verbandsorten zählte, eine besondere Bedeutung.
Bereits 1890 eröffnen das Kurhaus und das Kurhotel „Deutscher Hof“. Zwei Jahre später lässt sich der Arzt Dr. Franz Müller in Tabarz nieder und ist als Kurarzt, Kurdirektor, Vorsitzender des Fremdenkomitees und jahrelanges Vorstandsmitglied desThüringer Bäderverbandes entschei-dend an der weiteren rasanten Entwicklung von Tabarz zum Heilklimatischen Kurort beteiligt. Im Zeitraum von 1920 bis 1930 werden Untersuchungen über Radium-Emanation im Lauchagrund getätigt, die eine terrainkurweise Anwendung befürworten. 1936 erhält Tabarz die Anerkennung als heilklimatischer Luftkurort.
Eine besondere Bedeutung erfährt unsere Gemeinde 1991 im Thüringer Land durch die Gründung und Eröffnung der Inselsberg-Klinik als onkologische Nachsorgeklinik. Durch Patienten und Gäste wird die Schönheit der Gemeinde und die heilende Wirkung des Klimas weit über die Landesgrenzen hinaus getragen. Der niedergelassene Badearzt Dr. Scholze, die vorläufige Prädikatisierung als Luftkurort und die Anerkennung der Primär- und Ersatzkassen ermöglichen seit 1993 die Durchführung ambulanter, „offener“ Badekuren.
Nach der Neuorganisation der Kur- und Kommunalverwaltung in der Nachwendezeit wird die Entwicklung des Ortes zu einem höheren Prädikat „Kneipp-Kurort“ voran getrieben. Neben den klimatischen, lufthygienischen, landschaftlichen und infrastrukturellen Vorzügen erweitert die Physiotherapie nach Kneipp als ortseigenes Kurmittel und in der Gesamtheit der auf den 5 Säulen (Wasser, Bewegung, Ernährung, Pflanzen, Lebensordnung) beruhenden Kneipp’schen Gesundheitslehre das Angebot der Gemeinde.
Mit der Eröffnung der neu erbauten Rennsteig-Klinik als Fachklinik für Orthopädie, Herzkreislauf und Diabetes und der Sanierung der Arenaris-Quelle zur Speisung der Arenaris-Kneipp-Kuranlage 1995 entwickelt Tabarz seine Rolle auf dem wachsenden Gesundheitsmarkt weiter.
Am 18. August 2001 verleiht das Thüringer Wirtschaftsministerium das Prädikat „Kneipp-Kurort“ an die Gemeinde. Kneipp-Kuren und Medical-Wellness-Angebote sind seither neben der stationären Rehabilitation ein Markenzeichen der beständig wachsenden Gesundheitsregion. Dem Rechnung tragend entstand 2010 mit der Umgestaltung des „Spaßbades Tabbs“ ein Medical-Wellness Resort mit ganzheitlichen Angeboten.
So gibt es neben dem Kneipp-Verein, der für die Einrichtung der Kneippkuranlagen „Inselsberg-Quelle“ und „Arenaris-Quelle“ sowie für die Wahrung der Lehren des Pfarrers Kneipp eingetreten ist, auch noch den Trachten-Verein in Tabarz, der 1908 gegründet wurde. Mit der Trachtenausstellung im Kurpark Winkelhof, die zahlreiche kunstvoll gefertigte Gewänder zeigt, der Aufführung von Tänzen und deutschem Liedgut auf Festen sowie der Darbietung lustiger Anekdoten aus vergangenen Zeiten, kommt der Verein seiner Verpflichtung nach, den Erhalt der Tabarzer Tracht zu betreiben und einen kleinen Teil der Geschichte in unsere schnelllebige Zeit hinüber zu retten.
Etwas Vergangenes können unsere Gäste auch im Struwwelpeterpark im Lauchagrund entdecken. Die Erzählungen von H. Hoffmann, der in den Sommermonaten in Tabarz weilte und einen Teil seiner Erzählungen hier geschrieben hat, sind wohl im Gedächtnis der meisten Besucher fest verankert. An kunstvoll geschnitzten Reliefs und den nebenstehenden Tafeln verweilen unsere Gäste immer wieder und schmunzeln über die Weisheiten des Lebens. In jedem Sommer gibt es daher das weit über die Landesgrenzen hinaus bekannte „Tabarzer Märchenfest“.

















